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"Der Reisende ist ein pixeliges Subjekt
mit hohem Wiedererkennungswert. Ständig taucht er in diesen
Bildern auf, mal unscheinbar, mal deutlich, und manchmal muss
man ihn suchen, als stünde man vor einem Bilderrätsel.."
Das Projekt »Der Reisende« beschäftigt sich mit
der Allgegenwart von Webcams im privaten und öffentlichen
Raum. Der Reisende (dargestellt von Jens Sundheim) ist eine Kunstfigur,
die Orte aufsucht, auf die Webcams gerichtet sind. Da von dort
beständig Bilder ins Internet und von dort in jeden Winkel
der Welt übertragen werden, wird das Gezeigte enorm wichtig,
erlangt geradezu globale Bedeutung. Die Route des Reisenden wird
allein von Webcams bestimmt, sucht er doch als Tourist beständig
nach den sehenswerten und bedeutenden Plätzen dieser Welt.
An der Webcam angekommen, erfolgt ein performativer Auftritt im
Bildfeld der Kamera. Der Reisende wird von ihr erfasst, um von
nun an die Reise virtuell fortzusetzen: In Bits zerlegt, bewegt
er sich durch Zeit und Raum, ist bei Eingabe der richtigen
Adresse auf jedem vernetzten Rechner rund um den Globus
nahezu gleichzeitig sichtbar.
Webcams produzieren, abhängig von technischen Möglichkeiten
und dem Willen ihrer Betreiber, ständig neue Bilder. Jede
Stunde, jede Minute, einmal am Tag oder in Echtzeit. Bevor das
flüchtige Bild von neuen Daten überschrieben wird, wird
es von uns abgepeichert, als »Webfotografie« konserviert.
So werden die erreichten Stationen durch die Webcambilder als
Art moderne, digitale Postkarte dokumentiert.
Gründe, Webcams auf die Welt zu richten, sind so vielfältig
wie die dabei entstehenden Bilder. Sie reichen von Information
(über die Verkehrsdichte beispielsweise) bis Überwachung,
vom Bewerben touristisch sehenswerter Plätze bis hin zu privaten
Cams, aufgestellt aus Technikbegeisterung und freizeitlichem Vergnügen,
die oft nicht mehr als den Hinterhof ihres Besitzers zeigen. Auch
hier gilt: ist der Hinterhof erst einmal im Netz, wird er und
damit auch der Betreiber der Webcam Teil einer ganzheitlichen
virtuellen Welt: des World Wide Web.
Das Projekt wurde 2001 in Las Vegas, Nevada gestartet. Bislang
besuchte der Reisende rund 360 Webcams in vierzehn Ländern.
Nach und nach soll das Projekt den Reisenden auf alle Kontinente
führen, eine weltumspannende Reise entstehen.
Neben vielen anderen Orten führte die Arbeit am Projekt den
Reisenden zur legendären Kaffeemaschine, auf die die erste
Webcam der Welt zeigte, in den Kontrollraum der Europäischen
Raumfahrtbehörde ESA und in die Zelle einer New Yorker Polizeiwache
verhaftet wegen seltsamen Betragens.
Zur Präsentation
Ausgewählte Webfotografien präsentieren wir großformatig
in Ausstellungen, bisher sowohl in Form von fotografischen Prints
wie auch als Projektion.
Die Website www.der-reisende.org begleitet das Projekt und zeigt
aktuelle und vergangene Reiseziele.
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Das Projekt realisieren:
Jens Sundheim
Geboren 1970. Kam während seines Informatikstudiums zur Fotografie.
Studium der Fotografie in Dortmund und Exeter, England. Während
der Anfertigung seiner Diplomarbeit entstand das erste Bild des
Reisenden-Projektes in Las Vegas.
Lebt in Dortmund und arbeitet, wo ihn seine Reisen hinführen.
Website
von Jens Sundheim
Bernhard Reuss
Geboren 1966. Studium der Fotografie an der FH Dortmund.
2002 und 2003 Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Bildender
Künstler Wiesbaden. Zahlreiche Arbeiten mit der Camera Obscura.
Lebt und arbeitet in Wiesbaden.
Über unsere Arbeit
Als Künstlerteam arbeiten wir seit 2001 zusammen. In unserer
gemeinsamen Arbeit setzen uns mit technologischen und gesellschaftlichen
Veränderungen der uns umgebenden Lebenswelt, deren Wahrnehmung
und Ausgestaltung auseinander. Eine besondere Rolle spielt die
Einordnung des Einzelnen in einen umfassenderen Kontext, die Frage
nach Wahrnehmung und Suche letztlich auch der eigenen Identität.
Kontakt: info [at] der-reisende.org
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